Donnerstag, 7. Juli 2016

Geldbörse in Lederoptik oder: Faux Leather Technique



Ich habe neulich nach längerer Zeit  mal wieder eine Geldbörse in Lederoptik gemacht und dachte, ich nutze die Gelegenheit mal für ein kleines Tutorial.


Geldbörsen oder Brieftaschen eignen sich sehr gut zum Verschenken von Gutscheinkarten oder Geldscheinen und machen eben doch mehr her als bloß ein Umschlag oder auch eine schlichte Karte.
Dabei soll das ganze natürlich möglichst echt wirken, und dazu muss man den Farbkarton ein wenig bearbeiten.

Dazu braucht ihr etwas Glycerin und füllt einen Teil davon in eine Sprühflasche und füllt das mit 3-4 Teilen Wasser auf. Gut schütteln los geht’s.
Ich habe einen halben Bogen Farbkarton in Wildleder genommen – wie passend, ist mir gerade erst aufgefallen! :o)

Der Farbkarton wird gut von beiden Seiten eingesprüht und die Flüssigkeit vorsichtig mit den Fingern in das Papier eingearbeitet, ohne dass es kaputt geht.
Dann wird das ganze vorsichtig zusammengeknubbelt, damit die für Leder so typischen Linien 
entstehen. 

Das geht natürlich auch nur mit Wasser, aber das Glycerin macht die Fasern sehr weich, so dass sich der Farbkarton anfängt, tatsächlich wie Stoff anzufühlen: er wird ganz „labberig“, wie man weiter unten auf einem Bild hoffentlich etwas erkennen kann.

Jetzt wird er noch embosst, das heißt mit einer Prägeschablone geprägt und ich finde, unser Neuzugang „Funkelsterne“ ist hier sehr passend.

Vorsicht übrigens: beim Kurbeln durch die Big Shot wird die meiste Feuchtigkeit aus dem Papier gepresst. Ihr solltet also Küchentücher oder sowas bereit halten. Wer eine elektrische Variante statt der herkömmlichen Big Shot benutzt, sollte das ganze vorher etwas trocknen lassen – das könnte sonst sehr gefährlich werden!
Damit ihr beide Hälften des Papiers prägen könnt, müsst ihr zweimal embossen und den Prägefolder quer in die Big Shot legen, dann passt es.

Nun schnappt ihr euch ein Schwämmchen oder Fingerschwämmchen, die Gummiwalze geht auch, und rückt damit eurem falschen Leder zu Leibe. Am besten nochmal knubbeln und dann schön einfärben. Die Ränder nicht vergessen.

Hier könnt ihr vielleicht ein wenig sehen, wie stoffartig sich das Ganze tatsächlich anfühlt. Es lässt sich in Wellen legen und biegen wie Stoff - oder eben Leder - ohne zu knicken. Das fühlt sich schon ziemlich gut an.

Jetzt braucht das ganze noch eine Art „Finish“, das ein bisschen versiegelt und auch für diesen etwas speckigen Glanz sorgt, den echtes Leder entwickelt. Eigentlich wollte ich Serviettenkleber nehmen, klarer, matter Sprühlack geht auch, hab ich aber nicht gefunden und deshalb habe ich mein Stück „Leder“ mit Versamark abgerieben und mit klarem Embossingpulver bestreut und das ganze erhitzt. Fertig ist meine Lederhülle!

Für das Innenleben habe ich etwas altes Designerpapier benutzt, was diese tolle Stoffoptik hat. Es ist schon ein paar Jahre alt, aber meine Reste hüte ich wie einen Schatz, denn für solche Projekte ist es unschlagbar, finde ich.
Ich habe noch einen Streifen Wildleder auf Leder getrimmt, aber ohne embossen, und zwei Schlitze hineingeschnitten und noch eine Tasche aufgeklebt. Hinter die Schlitze habe ich jeweils wieder Designerpapier geklebt, so dass  kleine Taschen entstehen, in die die Gutscheinkarten oder kleine Gruß- oder Danke-Karten gesteckt werden können.
Alles zusammenkleben – fertig!
 Wirklich fertig? Na gut, ein paar kleine Details fehlen noch. Zum Einen habe ich natürlich noch Ziernähte haben wollen. Da ich keine Nähmaschine habe, habe ich mir mit einem Papierlochwerkzeug geholfen. Erst habe ich tatsächlich Fäden durchgefädelt, aber das gefiel mir nicht. Also ohne Fäden. Den Effekt mag ich.
Dann habe ich natülich noch die Kärtchen bestempelt und mit falscher Naht versehen (mit einem Stift diesmal), damit auch alle Grüße ihren Platz finden.
Ganz zum Schluss habe ich noch ein paar Süße Pünktchen aufgeklebt - soviel Zier muss sein, auch wenn es für einen Mann ist.

Ich glaube, das Ergebnis ist gut angekommen, auch wenn meine Lieblingskundin das Teil bisher nur auf einem Foto gesehen hat! Ich hoffe, den mir unbekannten Johannes freut es. :o)

Wenn du auch einen Auftrag für mich hast, melde dich bitte über das Kontaktformular oder per mail an Tina@papierkreationen.net.
Ganz liebe Grüße!


Kommentare:

  1. Die Technik kenne ich noch gar nicht. Wo bekommt man Glycerin?
    Mich wundert, dass der Farbkarton diese Prozedur tatsächlich übersteht! Aber wie man sieht, klappt es anscheinend hervorragend!
    LG
    Anke

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    1. Huhu,
      ja, das klappt prima. Glycerin gibt es in der Apotheke und man kommt ewig damit aus, weil man es ja nur verdünnt benutzt.
      Liebe Grüße!

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  2. Sehr schön gefällt mir !
    LG Anja

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  3. Genial gemacht! Schaut sowas von klasse aus liebe Tina!
    GLG
    Sylwia

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  4. Super Tina, schaut so richtig wie echtes Leder aus, danke für die Anleitung......wird bestimmt irgend wann mal von mir probiert
    LG
    Conni

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  5. Klappt super und ist gar nicht schwer!

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  6. GENIAL! Ich werde es sicherlich ausprobieren! GLG, Karo

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